Das waren noch Zeiten!

Vor gar nicht allzu langer Zeit – gerade gestern noch oder vorgestern – denkt man oft…

Herrgott, wie war das doch damals mit der alten Hermes Baby, dem Tipp-Ex und den übervollen Papierkörben – oder ganz früher, als wir Kinder jeweils am Abend mit dem hell- blauen, ultramodernen Plastik-Milchkesseli mit rotem Henkelgriff zum Milchhüsli geschickt wurden – in den 80ern mit dem Lenco Plattenspieler, den LPs von David Bowie, Santana… der Super-8-Kamera oder dem Velo-Solex – und war da nicht eben noch die Floppy Disk…?

Produkte, Objekte und Ereignisse von «gerade eben noch» in Form von grossformatigen Illustrationen, zusammen mit amüsanten Texten und Angaben darüber sind die Hauptakteure in diesem Bilder-Buch.

Aus einer fast unendlichen Fülle von Themen sind die 27 gewählten in diesem Buch meist erlebte Angelegenheiten. Sie entsprechen dem Empfinden des Autors und sind die Basis zu diesem Buch – Wahrheit, Dichtung oder abgeänderte Begebenheiten sind aber keinesfalls auszuschliessen.

Auch wenn verschiedene nostalgische Tendenzen, wie zum Beispiel der Hang zum Plattenspieler mit den LPs, vorhanden sind, ist es Tatsache, dass diese Objekte fast unwiderruflich der Vergangenheit angehören und immer mehr vergessen werden. Das Filterkaffee-System, so wie es hier beschrieben wird, ist zwar sehr interessant und, wie es in seiner Verschiedenheit gebraucht wurde, auch oft zum Schmunzeln, ist aber in unserer gehetzten Zeit kaum mehr anzuwenden. 

Kaffee wird bei uns, sei es bei der Arbeit oder zu Hause, vermehrt aus Kapseln, Sachets, der vollautomatischen Kaffeemaschine oder allenfalls mit der alten italienischen Espressoschraube zubereitet. 

Die deutsche Sprache ist sehr blumig und facettenreich. Sie ist womöglich eine der detailliertesten Sprachen auf der Welt überhaupt und sollte einerseits in den Bestandteilen gepflegt und bewahrt werden, andererseits ist die Sprache auch ausbaufähig und soll der aktuellen Zeit sinnvoll angepasst werden. 

Der Begriff «Fräulein» wurde zu Beginn der Emanzipation der Frau in den 70ern im deutschen Sprachraum gewissermassen getilgt; zu Recht oder zu Unrecht ist die Frage.
Die Gleichberechtigung der Frau gegenüber dem Mann beruht sicher nicht auf dieser Form des Ansprechens. In Frankreich, Italien, Spanien, England und vielen andern Sprachgebieten gibt es das Fräulein noch – Mademoiselle, Signorina, Señorita, Miss etc.

Eine der wichtigsten philosophischen Weltanschauungen war der Kommunismus. Die soziale Auslegung wäre im Zeichen der wachsenden Weltbevölkerung für den Menschen genial gewesen, das falsche Verständnis und die fragliche Ausführung durch die meisten Protagonisten verurteilten den Kommunismus jedoch zum Scheitern.

Es gibt aber auch Erzeugnisse von gestern und vorgestern, welche trotz übler Diffamierungen und Verbannungsversuche überlebt haben und heute einen enormen Kultstatus erreicht haben – zum Beispiel Blue Jeans…


Güdderchübel

Velo-Solex

Fräulein

KODAKInstamatic

In der permanenten Feuchtigkeit damaliger Küchen, ganz unten, hinter dem kleinkarierten Vorhängli, in Nachbarschaft des stets tropfenden Siphons stand das «Patent Ochsner» mit eisernem Willen und imitierte unablässig David Copperfield. 

Die Show dieser Systeme hiess «Verschwindibus».

Ein- bis zweimal wöchentlich durfte der Kübel sein feuchtes Verlies unter dem Schüttstein verlassen und man bot ihm die Gelegenheit, sich der grausigen Last zu entledigen.                 Er wurde frühmorgens von starker Männerhand an den Trottoirrand gestellt und wartete zusammen mit seinen grösseren und kleineren Kumpanen auf seine Erlösung. Flink, unzimperlich und mit lautem Geschepper wurde das vermeintlich «Copperfieldsche Gut» vom Chübelmaa in den Chübelwagen umsortiert und zum nahen Stinkberg chauffiert.

Meist durch zarte Kinderhände wurde der eiserne Geselle dann abends innerhalb seiner eigenen Wand mit alten Zeitungen neu ausgekleidet und wieder auf seine dunkle Bühne unter dem Schüttstein gestellt.

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Mit Wind im Haar, einem neuartigen, vagen Gefühl von Freiheit, Geschwindigkeit und Revolution brauste ich mit Mutters Solex von einem Mopedhändler zum anderen auf der Suche nach dem ominösen Rollenharz, welches, laut meinen Töfflifreunden, dazu dienen sollte, aus der lahmen Ente ein pfeilschnelles, heisses Geschoss zu machen. 

Nur einer der Mopedhändler meinte mit einem sarkastischen Lächeln: Das gibt es wohl kaum. 

Da merkte ich, dass ich meinen Kollegen auf den Leim gekrochen war.

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…das ist so eine Sache mit dem Fräulein.

Heute ist die Anrede und Bezeichnung «Fräulein» für junge Frauen im deutschen Sprachraum im Schriftverkehr und im formellen Umgang kaum mehr gebräuchlich. 

Überlebt hat das Wort «Fräulein» im Restaurant, aber auch diese Verwendung wird immer seltener. 

Vereinzelte Nachfragen beim Service-Personal im Restaurant habe ergeben, dass doch die eine oder andere weibliche Service-Angestellte gerne wieder mit Fräulein angesprochen würde, weil‘s halt einfach sympathischer sei. Und weil eh niemand so ganz genau wisse, wie man denn jetzt sagen soll, rufe man ein formloses «Hallo», «Tschuldigung» oder «Zalä bitte».

In der Zeit um 1900 etablierte sich die Anrede «Fräulein» vor allem für berufstätige Frauen, da weibliche Berufstätigkeit damals noch strikt auf die Zeit vor der Ehe beschränkt war

… weiteres über das Fräulein – im Buch

Das Problem mit der Sächlichkeit 

Frauenbewegungen kritisierten die Geringschätzung des Begriffes «Fräulein». Gesellschaftliche Werte und Vorstellungen der Frau seien mit einer solchen Verniedlichung nicht haltbar. Die Versachlichung löse die unerwünschte Assoziation aus, dass weibliche Personen «Sachen» seien und dass der Gebrauch der Definitionen «Fräulein» und «Frau» die Ansicht fördere, eine weibliche Person sei erst dann erwachsen, wenn sie heirate, während man einem jungen unverheirateten Mann/Herrn signalisiere, dass man ihn für einen vollwertigen Mann halte. 

Die Bezeichnung «Junker» (damals sinnesgleich mit dem Begriff «Fräulein») war schon viel früher nicht mehr im Sprachgebrauch verwendet worden und hatte auch keine vergleichbare Wortgeschichte bis in unsere Zeit hinein.

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Man konnte sie drehen, wie man wollte, die Nase rümpfen, die Mundwinkel verziehen, die Augen zu-
kneifen oder die Stirn runzeln – ein Hochformat mit der Instamatic war schlicht unmöglich.

Instamatic ist der Name für eine 1963 eingeführte kleine, einlinsige Fotokamera. Die eigens dafür bestimmten Kassettenfilme waren so «dubelsicher», dass sie von jedermann schnell und ohne Materialverlust in die Kamera eingelegt werden konnten. 

Hersteller dieser billigen Kamera hatten sich aus Gründen der Bildqualität auf ein quadratisches Format geeinigt. 

Die Kamera war für damalige Zeiten relativ günstig, der Preis für Filme teuer. Wenn sonntags also beim Zoobesuch alle Tiere abgelichtet werden sollten, musste schon einiges in dieses Filmmaterial investiert werden, zumal von scheuen Tieren beim Klick oft nur noch das Hinterteil oder gar nichts mehr zu sehen war.

Die volle Kassette gab man in der Drogerie, in der Kleiderreinigung oder im Fotofachgeschäft ab und bekam nach deren Entwicklung in den Fotolabors den Negativ-Film zurück. Anhand eines meist im Preis eingerechneten Positiv-Kontaktabzuges wurden dann weniger attraktive Hinterteile der Zootiere getilgt und die imposanteren Vorderteile in einem weiteren Prozess und mit zusätzlichen Kosten zur Vergrösserung fürs Fotoalbum in Auftrag gegeben.

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… die Geschichten von weiteren 23 Produkten oder Objekten, die sich fast unbemerkt aus unserem Leben geschlichen haben erfährst du im Buch DAMALS

• Sicherungen  • Tapete  • Passe-vite  • Schreibmaschine  • Telefon mit Wählscheibe  • Milchkesseli  • Velo-Solex  • Traveler‘s-Check  • Flasche mit Bügelverschluss • Glühbirne • indigene Völker • Güdderchübel  • LP und Plattenspieler  • Fotoapparat  • Peace-Zeichen  • Kassette  • Floppy Disk  • das Fräulein  • Reissnagel             • magisches Auge  • Super-8-Kamera  • Filterkaffee  • Wäscheschleuder  • Hotelschlüssel  • alte Währungen  • Kommunismus  • Luftpost

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