Horizonte verleiten seit jeher zu Träumen und Sehnsüchten, verlocken zu Reisen und Abenteuer – kaum ein Ziel auf der grossen weiten Welt, das uns heute verwehrt wird. Hinter dem Horizont war ein alter Tag oder beginnt ein neuer, ist es kälter oder wärmer. Solche Vorstellungen waren bei frühzeitlichen Völkern kaum vorhanden; sie erkundeten die Welt zunächst auf dem Landweg. Purer Überlebenswille war Grundlage ihres Tuns und Handelns. Baumstämme, Schilf oder mit Luft gefüllte Tierhäute, die im Wasser Auftrieb hatten, wurden als schwimmfähige Materialien erkannt. Mit dem Einbaum, mit Tierfellen abgedichteten Holzgestellen oder zusammengebundenen Schilfbündel überquerten sie grössere Gewässer. Asiatische Völker, die über die Landbrücke Beringia von Sibirien nach Alaska vordrangen, hatten möglicherweise schon funktionellere Schiffsarten, die sie damals an den überfluteten Stellen einsetzen konnten.
Dass die Welt, auf der sie sich bewegten, eine Form haben könnte, überstieg damaliges Denken bei Weitem. Erst bei den alten Griechen hatten ein paar kluge Köpfe wie Aristoteles und Ptolemäus die Vision, dass eine erweiterte Ausdehnung der See und Landschaften die Form einer Kugel haben könnte, was aber bald in Vergessenheit geraten ist. Die Erde war also platt, und an den Rändern der Scheibe, würde man, wenn man nicht aufpasst, ins Bodenlose stürzen. Für die vatikanische Kurie war das ein göttlicher Sachverhalt, und wehe dem, der anderes meinte.
Als zur Mitte des zweiten Jahrtausends unserer Zeitrechnung einige royale Geschöpfe auf die Idee kamen, Pfeffer – das begehrte schwarze Gold – und andere Gewürze wie Muskat, Nelken oder auch Seide aus fernen östlichen Ländern über den einfacheren Seeweg statt wie bisher über die Seidenstrasse nach Europa zu bringen, wurden die besten Seefahrer mit waghalsigen Expeditionen beauftragt.
Der Italiener Christoph Kolumbus versuchte vergeblich, dem portugiesischen König und dem venezianischen Dogen glaubhaft zu machen, dass Indien in westlicher Richtung zu erreichen sei; die aber vertrauten weiterhin der Route von Marco Polo, der Seidenstrasse. Dank Kolumbus enormer Überredungskunst schickte Isabella l. von Kastilien den Seefahrer in westlicher Richtung übers Meer, und dieser wähnte sich bei Landung im Westen von Indien. Auch Fernando Magellan suchte im Auftrag des spanischen Königshauses nach einer Passage zu den indischen Gewürzinseln. Nach monatelanger Fahrt entlang der Küste der neuen Welt und im Pazifik, nach Flaute, Hunger und Krankheiten erreichte die Mannschaft die Philippinen, wo Magellan ums Leben kam, und umrundete zum ersten Mal die Erde. Nach und nach wurde die Welt immer runder.
Galileo Galilei war zwar kein Entdecker von neuen Ländern oder Kontinenten, entdeckte aber durch seine wissenschaftlichen Beobachtungen, dass nicht die Erde der göttliche Nabel des Universums ist, sondern dass sich da einige Kugelformen rund um andere bewegen. Seine Erkenntnisse führten dazu, dass ihm die vatikanischen Inquisitoren solches Denken verboten und ihn trotz erzwungenem Nachgeben zu lebenslangem Hausarrest verdonnerten. Galileo Galilei wurde erst im Jahr 1992 von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften rehabilitiert.
Entdecker und Seefahrer wie diese erzählen von der Sehnsucht des Menschen, hinter den Horizont zu gelangen.
Auf 100 Seiten beschreibt es die abenteuerlichen Fahrten von Seefahrerinnen und Seefahrern aus der ganzen Welt – von den Anfängen der Schifffahrt bis zur heutigen Zeit. Das Buch enthält zudem eine aufklappbare Karte mit den Routen dieser Seefahrerinnen und Seefahrer und vielen weiteren Informationen.
Ra Mior
Kapitän Ahab
Zheng Yisao
Fridtjof Nansen
Häuptling Ra Mior musste sich etwas einfallen lassen: Um der wachsenden Bevölkerung und den daraus entstandenen Konflikten um Siedlungsland auszuweichen, befahl er seinen Leuten, hochseetaugliche Wagas zu bauen. Riesige Auslegerkanus mit Segeln sollten Menschen, Tieren, Geräten und Proviant Platz bieten für eine Reise ins Ungewisse. Mit erfahrenen austronesischen Seefahrern unter der Leitung von Ra Mior begaben sich Teile der 4Lapita-Stämme auf die Suche nach neuem Land hinter dem Horizont. Nach Orakeln seiner Schamanen müssten sie auf der grossen Seereise auf 5Hawaiki, einer sagenumwobenen Insel, ankommen. Ra Miors Wunsch, mit seinem Volk auf Hawaiki zu landen, blieb unerfüllt, er hatte aber mit seinen Leuten die eine oder andere paradiesische Insel im südlichen Pazifik besiedelt.
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Notabene: Der Name Ra Mior findet sich in keinem Lexikon – die Erfindung illustriert und beschreibt aber die Möglichkeit, dass Menschen vom asiatischen Festland her die pazifischen Inseln bevölkerten. Eine andere Idee wird dem Forscher und Ethnologen Thor Heyerdahl zugeschrieben, nämlich die These, dass die Südsee auch vom amerikanischen Festland her hätte besiedelt werden können .
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Kapitän Ahab «Man nenne mich Ismael.» Mit dieser Vorstellung beginnt der Roman «Moby Dick» von Herman Melville.
Auf der Insel Nantucket vor der amerikanischen Ostküste heuern Ismael und der am ganzen Körper tätowierte Südseeinsulaner Queequeg auf dem Walfangschiff Pequod unter Kapitän Ahab an. Warnungen des alten Elias vor dem Kapitän sind düstere Vorzeichen. Erst auf hoher See lässt sich der Kapitän an Deck blicken und erklärt der Mannschaft das eigentliche Ziel der Fahrt. Moby Dick, der weisse Wal, habe ihm das Bein abgerissen und soll dafür sterben. Eine an den Hauptmast genagelte Golddublone wird demjenigen versprochen, der den weissen Wal zuerst sichtet. Auf der Fahrt quer über den Atlantik zum Kap der guten Hoffnung lässt sich die Mannschaft vom Charisma und der Besessenheit ihres Kapitäns mitreissen und schwört auf die Vernichtung des Wals.
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Ismael wird als einziger Überlebender von einem anderen Walfänger gerettet. So hat Herman Melville die Geschichte von Kapitän Ahab und dem weissen Wal Moby Dick erfahren, aufgeschrieben und 1851 veröffentlicht.
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Zheng Yisao Nach einem blutigen Massaker in einem Fischerdorf wurde das Mädchen Ching Shih von den Piraten der «Roten Flagge» verschleppt und zu niedrigsten Arbeiten gezwungen. Als sie ihre weibliche Reife erreichte, stellten die Piraten sie vor die Wahl, zu verhungern oder sich für Liebesdienste anzubieten. Zheng Yisao, wie man die junge Frau nun nannte, wählte das Leben.
Der Piratenkapitän Ching I., Heerführer einer riesigen Flotte von über 200 Dschunken und etwa 400 Seeräubern, verliebte sich Hals über Kopf in Zheng Yisao und nahm sie sich zur Hauptfrau. Während seiner Kaperfahrten hatte Zheng Yisao das Kommando über sein Haus und seinen Harem. Die junge Frau hatte auch grossen Einfluss auf die Mannschaften des Piratenkapitäns, sie wurde wegen ihrer Intelligenz, ihrer Weitsicht und ihrer grazilen Art wie eine Seeräuberprinzessin verehrt.
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Sie führte ein sehr erfolgreiches Leben als Piratenkapitänin und baute die Flotte auf bis zu 1000 Schiffe mit über 80‘000 Mann aus. Zheng Yisao erstellte einen strengen Piratenkodex, der künftig für mehr Einigkeit und Kontrolle sorgen sollte.
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Fridtjof Nansen Weite Teile der Arktis gehörten bis in die Neuzeit zu den letzten weissen Flecken auf der Weltkarte. Manche Regionen, vor allem der Nordpol, waren bis ins 20. Jahrhundert nicht zugänglich und wurden erst mit enormem technischem Aufwand erreicht und erforscht.
Reisen in diese abgelegenen Gegenden wurden für Wissenschaftler, aber auch für Abenteurer zu Robinsonaden, so auch für Fridtjof Nansen.
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Ab 1897 widmete sich Nansen der damals noch jungen Forschungsdisziplin Ozeanografie, unternahm weitere Expeditionen hauptsächlich in den Nordatlantik und war an der Entwicklung von Gerätschaften für die Meeresforschung beteiligt. Er revolutionierte die Techniken des polaren Reisens und beeinflusste damit alle nachfolgenden Reisen in die Arktis und Antarktis.
Nansen war auch in der norwegischen Unabhängigkeitsbewegung beteiligt, er war Diplomat und setzte sich für die Flüchtlinge des Ersten Weltkrieges ein. Für diese Verdienste erhielt er den Friedensnobelpreis.
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Die Geschichten von weiteren 21 Seefahrer:innen erfährst du im Buch / Buch bestellen: >KONTAKT<
…die Wege der Entdecker, Kapitäne und Piraten